75 Jahre Chorgemeinschaft
Musikverein Grevenbroich 1927 e.V.  & Städtischer Musikverein Neuss 1844 e.V.

Seit nunmehr 75 Jahren besteht eine anfangs lockere, seit vielen Jahren inzwischen feste Partnerschaft zwischen dem Musikverein Grevenbroich (gegründet 1927 als „Lehrer- und Lehrerinnengesangverein“) und dem Städtischen Musikverein Neuss (gegründet 1844 als Männergesangverein) und. Die Partnerschaft wurde 1934 gegründet auf Wirken des damaligen gemeinsamen Chorleiters Konrad Wassenberg, der damit das Ziel verfolgte, größere Werke aufführen zu können. Das Oratorium „Der Messias“ von G.F. Händel, das im Februar 1935 im Rheinischen Hof zu Grevenbroich durch den Lehrer- und Lehrerinnengesangverein gesungen worden war, wurde am 25.5.1935 als erstes gemeinsames Werk der Chorgemeinschaft in der Bürgergesellschaft zu Neuss aufgeführt.

Die beiden Chöre haben – wie allein schon die Jahreszahlen in den Vereinsnamen vermuten lassen – sehr unterschiedliche Geschichten:

In Grevenbroich bestand der Wunsch, gemeinsam zu musizieren. Unter der Stabführung des Lehrers Heinen waren 1927 stimmbegabte Lehrer und Lehrerinnen des Kreises Grevenbroich zusammengetreten als „Lehrer- und Lehrerinnengesangverein Grevenbroich“. Diesen Namen sollte der Chor viele Jahre behalten, wenn auch bald Sänger und Sängerinnern anderer Berufszweige dazu stießen.

Protektor des Vereins war der Fürst zu Salm-Reifferscheidt & Dyck, langjähriger 1. Vorsitzender Herr Schulrat Schenten aus Grevenbroich. Bereits nach wenigen Jahren (1929) übernahm Konrad Wassenberg die musikalische Leitung des Chores. Nachdem die Kriegswirren gut überstanden waren, wurde der Chor 1947 umbenannt in „Musikverein Grevenbroich“. Seit 2006 nennt er sich „Musikverein Grevenbroich 1927 e.V..

Im Jahre 1844 taten sich in Neuss einige junge Männer zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Sie gründeten den Neusser „Männergesangverein“, der in den ersten Jahren allerdings wenig in die Öffentlichkeit trat. Einen Aufschwung erlebte der Chor ab 1849 durch das Wirken des erfahrenen Leiters Friedrich Hartmann. Der Männergesangverein nahm in den Folgejahren mehrfach mit guten Erfolgen an Gesangswettbewerben teil. Herausragend ist hier das Jahr 1852, in dem der Chor für das „bestgesungene komische Lied“ nicht nur den ersten Preis, sondern ein von den Künstlern Andreas Achenbach und Emanuel Leutze gemaltes Bild gewann. Dieses Bild „Wein, Weib und Gesang“ ist heute im Haus Rottels in Neuss zu besichtigen. Darüberhinaus durfte sich der Chor durch Beschluss des Neusser Stadtrates „Städtischer Männergesangverein“ nennen; der Leiter erhielt den Titel „Städtischer Musikdirektor“.

Nach einem Aufruf an die Neusser Damenwelt trat dem Männergesangverein im Jahre 1857 ein Damenchor zur Seite. Als erstes gemeinsames Oratorienkonzert dieses „Städtischen Männergesangvereins mit Damenchor“ wurde „Die Schöpfung“ von J. Haydn aufgeführt. Dies begründete die Tradition des heutigen Chores als Oratorienchor. Er nannte sich im Jahre 1938 um in „Städtischer Musikverein Neuss e.V.“, später (1954) in „Städtischer Musikverein Neuss 1844 e.V.“.

Wie bereits oben erwähnt, legte 1934 der gemeinsame Leiter Konrad Wassenberg (Leitung 1934 bis 1968) den Grundstein für das Zusammenschmelzen der beiden Chöre. Sie werden juristisch als getrennte Vereine geführt, bilden musikalisch aber eine feste Chorgemeinschaft. Zu den Highlights des gemeinsamen Weges gehören die Mitwirkung bei der Eröffnung der Neusser Stadthalle (1961) und die Beteiligung beim Stadtjubiläum „2000 Jahre Neuss“ (1984), aber auch die Fahrten zu und die Konzerte in den französischen Partnerstädten von Grevenbroich (Saint- Chamond) und von Neuss (Chalons-en-Champagne). Die inzwischen zur Tradition gewordene Zusammenarbeit und Partnerschaft wurde und wird von den nachfolgenden Chorleitern Walter Becker (Leitung 1968 bis 1992) und Wolfgang Wassenberg (Leitung 1992 bis 2013) fortgeführt. Nachdem Wolfgang Wassenberg im Herbst 2013 den Dirigentenstab aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte, übernahm Christian Parsiegel im März 2014 die Leitung der Chöre.

Partnerschaft heißt, dass beide Chöre seit dieser Zeit nahezu sämtliche Werke gemeinsam aufgeführt haben. In Grevenbroich haben die Konzerte in verschiedenen hier vertretenen Kirchen stattgefunden, vor allem 16 Jahre lang in der katholischen Pfarrkirche „St. Stephanus“; Aufführungsstätte in Neuss ist seit vielen Jahren die Stadthalle.

Die Partnerschaft bezieht sich aber auch auf die menschliche Beziehung untereinander, praktiziert in gemeinsamen Chorfesten, Weihnachtsfeiern oder den jährlichen Chorfahrten, die jeweils mit der musikalischen Begleitung einer Messe verbunden sind. Es sind in diesen 75 Jahren viele Freundschaften, ja sogar Ehen geschlossen worden.

Trotz drastisch rückläufiger finanzieller Unterstützung kann der Oratorienchor immer noch auf hohem musikalischem Niveau musizieren und gute Solisten und Orchester (z.B. das Rundfunkorchester Köln, das Gürzenich-Orchester Köln und seit 20 Jahren die Niederrheinische Philharmonie) verpflichten.




zurück zur Startseite